Timur Turlov schlägt eine stärkere Vertretung der Ukraine in der FIDE-Führung vor

23.09.2026

SAMARKAND, Usbekistan, 23. September 2026 /PRNewswire/ -- Die Rolle der Ukraine im internationalen Schach ist zu einem Schwerpunkt der FIDE-Präsidentschaftswahlen 2026 geworden, nachdem Timur Turlov vorgeschlagen hatte, dass die Ukraine einen eigenen Kandidaten für das Amt des FIDE-Vizepräsidenten nominieren solle, falls sein Kandidatenteam gewählt werde.

Timur Turlov and Viswanathan Anand

Turlov, der gemeinsam mit dem fünffachen Weltmeister Viswanathan Anand für das Amt des FIDE-Präsidenten kandidiert, wandte sich in einem kürzlich auf X veröffentlichten Beitrag an die Ukraine, hob deren langjährigen Beitrag zum internationalen Schach hervor und forderte eine stärkere Vertretung der Ukraine in der FIDE-Führung.

„Die Ukraine ist eine der großen Schachnationen der Welt", schrieb Turlov und verwies dabei auf die Generationen von Spielern und Trainern des Landes. Er erklärte, die FIDE könne „nicht isoliert von den Geschehnissen in der Welt agieren" und die Ukraine „sollte eine eigene Stimme haben, wenn Entscheidungen diskutiert und getroffen werden".

Anschließend lud Turlov Mykhailo Podolyak, einen Berater des Leiters des Präsidialamtes der Ukraine, ein, eine Vertretung der Ukraine in der FIDE-Führung in Betracht zu ziehen.

Podolyak antwortete, er unterstütze Turlovs Reformvision und sei bereit, „sich persönlich dem neuen FIDE-Team anzuschließen". Er erklärte außerdem, er wünsche sich, dass sich die internationalen Verbände auf ihre grundlegenden sportlichen Ziele und den fairen Wettbewerb konzentrieren.

Turlov ist seit 2023 Präsident des kasachischen Schachverbands und seit 2025 Präsident des Internationalen Schulschachverbands. Die FIDE berichtet, dass das kasachische nationale Programm „Schach in der Bildung" mittlerweile mehr als 1.500 Schulen und 60.000 Schüler erreicht und Tausende von Lehrern geschult wurden.

Während Turlovs Amtszeit war Kasachstan zudem Gastgeber bedeutender internationaler Wettbewerbe, darunter die Weltmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach sowie das Weltmeisterschaftsmatch 2023 in Astana. Die FIDE ist zudem eine separate Partnerschaft mit der Freedom Holding Corp. eingegangen, Turlovs an der Nasdaq notiertem Finanz- und Technologieunternehmen, um Schachförderprogramme im Jahr 2026 zu unterstützen, die Turniere, Spieler, Trainer, Trainingszentren, Bildung und Talentförderung umfassen.

Turlovs Wahlkampf hat die digitale Entwicklung, Schachausbildung, finanzielle Nachhaltigkeit und institutionelle Entwicklung als Prioritäten für die FIDE identifiziert.

Die FIDE-Präsidentschaftswahl findet am 26. September 2026 im Rahmen der Generalversammlung in Samarkand, Usbekistan, statt. Die FIDE hat drei Präsidentschaftskandidatenpaare bestätigt: Timur Turlov–Viswanathan Anand, Wadim Rosenstein–Gordon Tang und Jan Henric Buettner–Malcolm Pein.

Jeder vertretene Mitgliedsverband verfügt über eine Stimme.

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AfD-Ausschussvorsitze im Fokus: CDU in der Zwickmühle zwischen Abgrenzung und Einbindung

08.10.2026

Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat eine Neujustierung des Umgangs mit der AfD im Bundestag gefordert und damit eine innerparteiliche wie parlamentarische Grundsatzdebatte angestoßen. In einem Interview mit dem Magazin „Stern“ plädierte der CDU-Politiker dafür, der AfD die ihr nach dem üblichen Verteilungsschlüssel zustehenden Vorsitzendenposten in den Fachausschüssen des Bundestags nicht länger zu verwehren. „Die Partei ist gewählt, und so sollte man mit ihr auch umgehen“, sagte Rhein und verwies darauf, dass die AfD im hessischen Landtag und in anderen Länderparlamenten bereits Ausschussvorsitze innehat.

Im Bundestag verfügt die AfD wie die anderen Fraktionen über ein Vorschlagsrecht für bestimmte Ausschussvorsitze. Bisher scheiterte sie jedoch regelmäßig daran, dass ihre Kandidatinnen und Kandidaten bei den Wahlen in den Ausschüssen nicht die Unterstützung der Abgeordneten der übrigen Parteien erhielten und damit die nötigen Mehrheiten verfehlten. Eine Klage der AfD-Bundestagsfraktion vor dem Bundesverfassungsgericht blieb im September 2024 ohne Erfolg; Karlsruhe sah keinen Anlass, in das Verfahren der Ausschussbesetzungen einzugreifen. Politisch aber gewinnt die Frage durch Rheins Vorstoß neue Brisanz.

Rhein grenzt sich zugleich von einer inhaltlichen Annäherung an die AfD ab und lehnt ein Verbotsverfahren gegen die Partei ab. Er halte das vielzitierte Bild einer „Brandmauer“ für falsch, betonte der CDU-Landeschef. Für die Union gelte: „Wir grenzen uns klar von der AfD ab, aber wir grenzen die Partei nicht aus.“ Das müsse sich auch in der Parlamentsarbeit widerspiegeln. Anstelle juristischer Schritte warb Rhein dafür, die AfD politisch zu stellen: Die CDU müsse den Wählerinnen und Wählern „ein besseres Angebot machen“ und die „Deutungshoheit über die Alltagsfragen“ zurückgewinnen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD setze aus seiner Sicht eine „Politik der klaren roten Linien“ voraus.

Die AfD bewertet die Äußerungen des hessischen Regierungschefs als Signal eines sich abzeichnenden Kurswechsels in der Union. Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem „überfälligen“ Schritt und einem Zeichen für ein „generelles Umdenken in der CDU“. Die Forderung nach Ausschussvorsitzen sei „nur der erste Schritt – weitere werden folgen“, prognostizierte Baumann. Angesichts jüngster Wahlergebnisse sehe er die Union unter Druck, ihre bisherige Ausgrenzungsstrategie zu überdenken. Koalitionsfraktionen im Bundestag wiesen einen von Rhein geforderten Kurswechsel allerdings zurück und halten bislang an der Linie fest, AfD-Kandidaten für Ausschussvorsitze nicht zu unterstützen.

In den Fachausschüssen des Bundestags wird ein Großteil der inhaltlichen Gesetzgebungsarbeit vorbereitet. Die Vorsitzenden spielen eine zentrale Rolle bei der Organisation der Beratungen und der Tagesordnungsgestaltung. Die Verteilung dieser Schlüsselpositionen erfolgt nach einem festgelegten Schlüssel zwischen den Fraktionen, doch bleibt die tatsächliche Besetzung an die Wahl durch die Ausschussmitglieder gebunden. Vor diesem Hintergrund berührt die von Rhein angestoßene Debatte nicht nur die Machtbalance zwischen den Fraktionen, sondern auch die Frage, wie das Parlament mit Parteien umgeht, die zwar demokratisch gewählt sind, von großen Teilen des Hauses aber weiterhin klar abgelehnt werden.