Vorzeitiger Abgang von Helen Giza lässt Fresenius-Medical-Care-Investoren aufhorchen

08.10.2026


Fresenius Medical Care vollzieht überraschend einen Wechsel an der Konzernspitze und verschreckt damit den Markt. Die langjährige Vorstandsvorsitzende Helen Giza wird das Dialyseunternehmen aus Bad Homburg mit Ablauf des 11. Oktober verlassen, wie der DAX-Konzern mitteilte. Details zu den Hintergründen nannte FMC in seinen Mitteilungen zunächst nicht. Der Aufsichtsrat bestellte einstimmig Shervin J. Korangy mit Wirkung zum 12. Oktober zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Korangy legte im Zuge der Ernennung sein Mandat als Mitglied des Aufsichtsrats nieder.

Giza stand knapp vier Jahre an der Spitze von Fresenius Medical Care, zuvor war sie drei Jahre Finanzvorständin des Unternehmens. In internen Kreisen wurde zuletzt offenbar Zweifel an ihrem Kurs laut. "Keine neuen Ideen, keine Vision - immer nur der Sparzwang reicht nicht", sagte die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und langjährige Betriebsrätin Stefanie Balling der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Die Strategie sei "wirklich nicht prickelnd", begründete sie den Wechsel an der Spitze. Gizas Vertrag wäre demnach im kommenden Jahr ausgelaufen.

Mit Korangy rückt ein Kenner des Hauses nach. Der 51-jährige US-Amerikaner war bis Anfang des Jahres Vorstandschef des Augenheilkunde-Spezialisten BVI Medical und gehört seit 2023 dem Aufsichtsrat von FMC an. Balling zufolge habe er dort "immer schon die richtigen Fragen gestellt"; es habe sich abgezeichnet, dass Gizas Vertrag nicht verlängert werden sollte. Aufsichtsratschef Michael Sen, der zugleich Vorstandsvorsitzender des Großaktionärs Fresenius ist, sprach von einem Wendepunkt für FMC. Die Ziele der Transformation der vergangenen Jahre seien weitgehend erfüllt, in der nächsten Wachstumsphase solle das Unternehmen von einem anderen Führungsprofil profitieren.

An der Börse kam der abrupte Führungswechsel schlecht an. Die im Leitindex DAX notierten FMC-Papiere gaben im Tagesverlauf deutlich nach. In einer ersten Reaktion verloren die Titel zeitweise bis zu 4,5 Prozent, in der Spitze sogar mehr als acht Prozent auf 36,71 Euro. Anleger müssen sich nun auf eine neue strategische Akzentsetzung einstellen: Während Gizas Amtszeit im Zeichen der Transformation und Kostendisziplin stand, soll Korangy das Unternehmen nach dem Willen des Aufsichtsrats wieder stärker auf Wachstumskurs bringen.

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Historischer Machtwechsel in Magdeburg: AfD vor erstmaliger Übernahme des Landtagspräsidiums

08.10.2026


Im Magdeburger Landtag steht ein Einschnitt in der bundesdeutschen Parlamentsgeschichte bevor: Erstmals könnte ein Abgeordneter der AfD das Amt des Landtagspräsidenten übernehmen. Der 35-jährige Tobias Rausch, seit 2016 Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt und Generalsekretär der AfD im Bundesland, geht mit einer komfortablen Mehrheit in die konstituierende Sitzung. Nach ihrem klaren Wahlsieg stellt die AfD künftig 39 der 83 Abgeordneten und ist damit die mit Abstand stärkste Fraktion.

Den entscheidenden Schub liefert das Bündnis mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Die fünf BSW-Abgeordneten wollen geschlossen für Rausch stimmen und kommen gemeinsam mit der AfD auf 44 Stimmen. BSW-Fraktionschef Thomas Schulze verweist auf parlamentarische Gepflogenheiten: Als stärkste Fraktion habe die AfD laut Geschäftsordnung Anspruch auf den Vorsitz im Parlament. Eine politische Blockbildung gegen die AfD lehnt Schulze ab und präsentiert die Zustimmung zur Wahl des Landtagspräsidenten als Signal eines „neuen Politikstils“.

Die übrigen Fraktionen reagieren gespalten. CDU, SPD, Grüne und Linke verfügen zusammen ebenfalls über 39 Mandate, treten aber nicht geschlossen gegen die AfD an. Die CDU hat angekündigt, sich bei der Wahl zu enthalten – Enthaltungen zählen in diesem Verfahren nicht als abgegebene Stimmen. SPD, Grüne und Linke wollen gegen Rausch stimmen. Spannend bleibt damit vor allem die Frage, ob der AfD-Kandidat über die absehbaren 44 Ja-Stimmen hinaus zusätzliche Unterstützung erhält. Vor der geheimen Abstimmung spekulieren die Lager bereits über mögliche Abweichler; aus der AfD-Spitze heißt es, zusätzliche Stimmen könnten auch aus dem Kreis der erklärten Gegner stammen.

Parallel zur Präsidentenwahl testet die AfD aus, wie weit ihr neuer Einfluss im Landtag reicht. Die Fraktion will die Geschäftsordnung ändern, um neben dem Präsidenten auch einen der drei Vizepräsidentenposten zu besetzen – vorgesehen ist der Abgeordnete Hans-Thomas Tillschneider. In der Vergangenheit sorgten seine Beiträge zur Bildungs- und Kulturpolitik regelmäßig für Kritik in anderen Fraktionen, die den Personalvorschlag daher als Provokation werten dürften. Ob das BSW diese Personalie ebenso mitträgt wie die Wahl von Rausch, ist bislang offen. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmungen wird die erste Sitzung des neu gewählten Landtags damit zum Testfall für künftige Zusammenarbeit und Machtarithmetik in Sachsen-Anhalt.