IDnow-Studie: Verbraucher müssen von der EUDI-Wallet erst noch überzeugt werden

08.09.2026

Die neue EUDI-Wallet-Verbraucherstudie von IDnow zeigt, warum Verbrauchern bisher noch das Vertrauen fehlt, welche Hürden bestehende Verifizierungsprozesse mit sich bringen und welche Funktionen für die Akzeptanz der EUDI-Wallet entscheidend sein werden.

MÜNCHEN, 8. September 2026 /PRNewswire/ -- Wenige Monate vor der für Dezember 2026 geplanten Einführung der EUDI-Wallet veröffentlicht IDnow, Anbieter für digitale Identitäten und Betrugsprävention, die Ergebnisse einer Verbraucherbefragung unter je 1.000 Erwachsenen in Deutschland und Frankreich. Die Ergebnisse zeigen, dass die EUDI-Wallet bisher bei etwas mehr als der Hälfte der Verbrauchern (52 %) bekannt ist. Gleichzeitig trifft die Technologie auf einen Markt, in dem komplizierte Verifizierungsprozesse Finanzdienstleister bereits heute Kunden kosten. Für Anbieter ist daher entscheidend, das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen.

IDnow

Bei bestehenden Verfahren zur Identitätsprüfung sehen die Befragten deutlichen Verbesserungsbedarf. Fast die Hälfte (48 %) gibt an, Transaktionen häufig abzubrechen, wenn der Verifizierungsprozess zu kompliziert ist oder zu lange dauert.

Sicherheit und Transparenz zählen mehr als schnelle Prozesse

Damit die EUDI-Wallet von den Verbrauchern angenommen wird, ist vor allem Sicherheit entscheidend. 42 Prozent der Befragten nannten besseren Schutz vor Betrug als wichtigsten Faktor für die Nutzung. Für knapp ein Drittel (31 %) ist zudem eine größere Kontrolle darüber, welche Daten sie preisgeben, von zentraler Bedeutung. 30 Prozent wünschen sich mehr Transparenz und möchten nachvollziehen können, welche Daten verwendet werden. Schnellere und einfachere Prozesse sind dagegen für 28 Prozent ausschlaggebend.

Die Akzeptanz hängt von den Vorteilen ab

Zusätzliche Identitätsprüfungen schrecken deutsche Verbraucher grundsätzlich nicht ab. 42 Prozent der Befragten würden zusätzliche Prüfungen hinnehmen, wenn sie die Sicherheit erhöhen – selbst, wenn das den Prozess verlängert. Bei einem erhöhten Betrugsrisiko würden sich lediglich 15 Prozent trotzdem für weniger Kontrollen entscheiden.

Beinahe zwei Drittel (64 %) der deutschen Verbraucher geben außerdem an, die EUDI-Wallet eher nutzen zu wollen, wenn sie bestimmte Angaben wie etwa das Alter bestätigen könnten, ohne dafür sämtliche Informationen offenzulegen. Bei diesem Prinzip der „selektiven Offenlegung" werden nur die für den jeweiligen Zweck erforderlichen Daten geteilt.

Der Wandel zur digitalen Wallet erfolgt schrittweise

Die EU-Mitgliedstsstaaten sind verpflichtet, die EUDI-Wallet ihren Bürgern bis Dezember 2026 zur Verfügung zu stellen und Banken müssen die Wallet bis Dezember 2027 akzeptieren. Trotzdem dürfte es noch dauern, bis sich die EUDI-Wallet flächendeckend durchsetzt. Auf die Frage, wie sie ihre Identität bei einer Kontoeröffnung am liebsten nachweisen würden, haben die deutschen Verbraucher keine einheitliche Antwort. 26 Prozent bevorzugen eine persönliche Identitätsprüfung vor Ort, 16 Prozent das Auslesen eines NFC-Chips und jeweils 13 Prozent eine digitale Identitäts-Wallet oder einen Videoanruf mit einem Mitarbeitenden. Zehn Prozent würden bevorzugt ihren Ausweis zusammen mit einem Selfie einreichen.

Mit der zunehmenden Verbreitung digitaler Wallets werden andere Verfahren daher nicht verschwinden. Banken müssen vielmehr in der Lage sein, ihren Kunden abhängig vom erforderlichen Sicherheitsniveau das passende Verfahren anzubieten und den Prozess gleichzeitig so einfach wie möglich zu gestalten – wie es etwa die kürzlich veröffentlichte IDnow Trust Platform ermöglicht.

„Die Daten sprechen eine klare Sprache: Deutsche Verbraucher verstehen die Probleme, die die EUDI-Wallet lösen soll, aber sie sind noch nicht überzeugt, dass sie die richtige Lösung ist. Sie wissen, dass Identitätsbetrug zunimmt, Online-Verifizierung nicht funktioniert und dass das Teilen von mehr Daten als nötig echte Risiken birgt. Bisher kennen sie aber noch keine Lösung, der sie vertrauen können. Genau diese Lücke muss die EUDI-Wallet schließen", so Philippe Morel, CEO von IDnow.

Der vollständige Report „Die Identitätslücke" bietet eine detaillierte Analyse der aktuellen Gewohnheiten im Bereich der digitalen Identität, der Erwartungen der Verbraucher, der Sicherheits- und Datenschutzbedenken, der Hindernisse bei der Einführung sowie der Einstellungen zu zukünftigen Anwendungsfällen.

Methodik

Die Studie wurde im Juni 2026 von Sapio Research im Auftrag von IDnow online unter 1.000 deutschen Erwachsenen im Alter von 18 bis 80 Jahren durchgeführt. Die Stichprobe wurde nach Alter und Geschlecht gewichtet, um repräsentativ für die deutsche Bevölkerung zu sein.

Über IDnow

IDnow ist ein führender Plattformanbieter für digitale Identitäten und Betrugsprävention in Europa, mit der Vision Vertrauen als eine zentrale Ressource der digitalen Welt zu platzieren. Die IDnow-Plattform bietet ein breites Portfolio an Lösungen zur Identitätsverifizierung und Betrugsprävention, und schafft, erhält und stärkt das Vertrauensverhältnis während der gesamten Customer Journey. Unternehmen nutzen die Lösungen für digitale Identitäten, um zuverlässig zu agieren und fördern so Wachstum, Skalierbarkeit und Sicherheit.

Das Unternehmen hat Niederlassungen in Deutschland, Großbritannien, Rumänien, und Frankreich und wird von renommierten institutionellen Investoren wie Corsair Capital unterstützt. Das internationale Kundenportfolio umfasst eine breite Palette von Branchen, darunter Finanzdienstleistungen, Telekommunikation, Reisen und Mobilität, Glücksspiel und andere Branchen.

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AfD-Ausschussvorsitze im Fokus: CDU in der Zwickmühle zwischen Abgrenzung und Einbindung

08.10.2026

Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat eine Neujustierung des Umgangs mit der AfD im Bundestag gefordert und damit eine innerparteiliche wie parlamentarische Grundsatzdebatte angestoßen. In einem Interview mit dem Magazin „Stern“ plädierte der CDU-Politiker dafür, der AfD die ihr nach dem üblichen Verteilungsschlüssel zustehenden Vorsitzendenposten in den Fachausschüssen des Bundestags nicht länger zu verwehren. „Die Partei ist gewählt, und so sollte man mit ihr auch umgehen“, sagte Rhein und verwies darauf, dass die AfD im hessischen Landtag und in anderen Länderparlamenten bereits Ausschussvorsitze innehat.

Im Bundestag verfügt die AfD wie die anderen Fraktionen über ein Vorschlagsrecht für bestimmte Ausschussvorsitze. Bisher scheiterte sie jedoch regelmäßig daran, dass ihre Kandidatinnen und Kandidaten bei den Wahlen in den Ausschüssen nicht die Unterstützung der Abgeordneten der übrigen Parteien erhielten und damit die nötigen Mehrheiten verfehlten. Eine Klage der AfD-Bundestagsfraktion vor dem Bundesverfassungsgericht blieb im September 2024 ohne Erfolg; Karlsruhe sah keinen Anlass, in das Verfahren der Ausschussbesetzungen einzugreifen. Politisch aber gewinnt die Frage durch Rheins Vorstoß neue Brisanz.

Rhein grenzt sich zugleich von einer inhaltlichen Annäherung an die AfD ab und lehnt ein Verbotsverfahren gegen die Partei ab. Er halte das vielzitierte Bild einer „Brandmauer“ für falsch, betonte der CDU-Landeschef. Für die Union gelte: „Wir grenzen uns klar von der AfD ab, aber wir grenzen die Partei nicht aus.“ Das müsse sich auch in der Parlamentsarbeit widerspiegeln. Anstelle juristischer Schritte warb Rhein dafür, die AfD politisch zu stellen: Die CDU müsse den Wählerinnen und Wählern „ein besseres Angebot machen“ und die „Deutungshoheit über die Alltagsfragen“ zurückgewinnen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD setze aus seiner Sicht eine „Politik der klaren roten Linien“ voraus.

Die AfD bewertet die Äußerungen des hessischen Regierungschefs als Signal eines sich abzeichnenden Kurswechsels in der Union. Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem „überfälligen“ Schritt und einem Zeichen für ein „generelles Umdenken in der CDU“. Die Forderung nach Ausschussvorsitzen sei „nur der erste Schritt – weitere werden folgen“, prognostizierte Baumann. Angesichts jüngster Wahlergebnisse sehe er die Union unter Druck, ihre bisherige Ausgrenzungsstrategie zu überdenken. Koalitionsfraktionen im Bundestag wiesen einen von Rhein geforderten Kurswechsel allerdings zurück und halten bislang an der Linie fest, AfD-Kandidaten für Ausschussvorsitze nicht zu unterstützen.

In den Fachausschüssen des Bundestags wird ein Großteil der inhaltlichen Gesetzgebungsarbeit vorbereitet. Die Vorsitzenden spielen eine zentrale Rolle bei der Organisation der Beratungen und der Tagesordnungsgestaltung. Die Verteilung dieser Schlüsselpositionen erfolgt nach einem festgelegten Schlüssel zwischen den Fraktionen, doch bleibt die tatsächliche Besetzung an die Wahl durch die Ausschussmitglieder gebunden. Vor diesem Hintergrund berührt die von Rhein angestoßene Debatte nicht nur die Machtbalance zwischen den Fraktionen, sondern auch die Frage, wie das Parlament mit Parteien umgeht, die zwar demokratisch gewählt sind, von großen Teilen des Hauses aber weiterhin klar abgelehnt werden.