Pilotprojekt auf der Nordsee: Elektrokatamaran überzeugt Passagiere und Reederei

23.03.2026


Der erste seetüchtige Elektrokatamaran unter deutscher Flagge nimmt nach einer mehrmonatigen Winterpause wieder den Linienbetrieb zwischen Norddeich im Landkreis Aurich und der ostfriesischen Insel Norderney auf. Wie die Reederei Norden-Frisia mitteilte, sind im Frühjahr zunächst drei bis vier Abfahrten pro Tag vorgesehen. Zum Beginn der Sommersaison am 4. Juli soll der Fahrplan auf fünf tägliche Verbindungen ausgeweitet werden. Der Katamaran mit dem Namen „Frisia E-I“ war im April 2025 in Dienst gestellt worden und hat damit ein erstes komplettes Betriebsjahr absolviert.

Die Zwischenbilanz der Reederei für das Premierenjahr fällt deutlich positiv aus. Das Probejahr sei „sehr gut gelaufen“, heißt es von Michael Garrelts, technischem Inspektor bei Norden-Frisia. Man sei mit Auslastung, Performance und Zuverlässigkeit des rein elektrisch betriebenen Schiffs zufrieden. Der „Frisia E-I“ gilt in Deutschland als einzigartig: Es handelt sich um das erste rein elektrisch angetriebene Seeschiff, das regulär im Inselverkehr eingesetzt wird.

Nach Angaben der Reederei wird das Angebot von den Fahrgästen vor allem aus zwei Gründen angenommen: Zum einen schätzen viele den umweltfreundlicheren Antrieb. Anstatt mit Schiffsdiesel wird der E-Katamaran mit Solarstrom betrieben, der die Elektromotoren an Bord speist. Zum anderen halbiert sich die Fahrzeit zwischen Festland und Insel im Vergleich zu den größeren konventionellen Passagierfähren auf rund 30 Minuten. Für den Zeitgewinn und das neue Schiff fällt allerdings ein Zuschlag von fünf Euro pro Ticket an.

Technisch verlief die erste Saison überwiegend störungsfrei, kleinere Zwischenfälle blieben nach Unternehmensangaben die Ausnahme. So kam es einmal zu einem Ladeproblem durch eine ausgelöste Sicherung, ein anderes Mal zu einem mechanischen Defekt am Getriebe. Alle aufgetretenen Störungen konnten laut Reederei behoben werden. Über die Wintermonate lag der Katamaran turnusgemäß in der Werft zur Wartung, bevor er nun in die erste reguläre Saison nach dem Probejahr startet. Für Norden-Frisia ist das Projekt zugleich ein Baustein in der Strategie, CO₂-Emissionen in der Schifffahrt zu senken und neue Antriebstechnologien im Alltagsbetrieb zu erproben.

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Ernstfall-Szenario am Schelfwerder: Schwerin verknüpft Waldbrand- und Munitionsschutz

23.03.2026


In Schwerin haben Katastrophenschützer am Wochenende ein groß angelegtes Waldbrand-Szenario auf munitionsbelastetem Gelände geprobt. Im Stadtteil Schelfwerder wurde ein Brand südlich des Paulsdamms simuliert – bei ausgeprägter Trockenheit, ungewöhnlich hohen Temperaturen und starkem Nordostwind. Das angenommene Feuer drohte sich in Richtung Kleingartenanlagen, Bootshäuser und städtische Bebauung auszubreiten, während der direkte Löschangriff im Wald wegen Munitionsresten als zu gefährlich galt.

Mehr als 120 Einsatzkräfte von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW), Deutschem Roten Kreuz (DRK), Landespolizei und Landesforst waren beteiligt. Die Führungskräfte entschieden sich im Szenario für eine sogenannte Riegelstellung zwischen Waldgebiet und Bebauung, um ein Übergreifen der Flammen auf Häuser, Kleingärten und Bootshäuser zu verhindern. Tanklöschfahrzeuge pendelten im Dauereinsatz, ein Wasserwerfer der Landespolizei verstärkte die Löschwasserversorgung, während das THW bis zu 15.000 Liter Wasser pro Minute direkt aus dem Schweriner See förderte.

Ein Schwerpunkt der Übung lag auf der Lageerkundung und Koordination. Eine Drohne des DRK lieferte Luftbilder, lokalisierte Glutnester und wies die Einheiten am Boden gezielt ein. Parallel wurden die Wasserentnahme aus dem Schweriner See und der Transport über lange Wegstrecken getestet. Kreisregner sicherten die Waldkante, um die angenommene Feuerfront auf Distanz zur Bebauung zu halten. Nach Angaben der Stadt sollten so Abläufe für den Ernstfall in schwer zugänglichen, munitionsbelasteten Bereichen überprüft und optimiert werden.

Für Anwohner und Verkehr brachte die Übung spürbare Einschränkungen mit sich. Drosselweg und Buchenweg samt Parkplätzen wurden zwischen 7.00 und 14.00 Uhr gesperrt, betroffen waren zudem das angrenzende Waldstück, der Bootshausverein Werderwiesen sowie die beiden Kleingartenvereine Schelfwerder und „Am Heidensee“. Die Stadt bat Bewohner, Kleingärtner und Bootshausbesitzer, Halteverbote und Durchfahrtsbeschränkungen zu beachten. Das Übungsszenario orientiert sich an realen Lagen wie den Waldbränden im munitionsbelasteten Gebiet bei Lübtheen im Landkreis Ludwigslust-Parchim und soll als Blaupause für künftige, landesweite Einsätze dienen.