Angst vor dem digitalen Double: Synchronsprecher kritisieren KI-Training ohne Extra-Honorar

15.03.2026


Deutsche Synchronsprecherinnen und -sprecher erhöhen den Druck auf Streaminganbieter wie Netflix. Hintergrund sind neue Vertragsklauseln, die es erlauben sollen, bereits aufgezeichnete Stimmen für das Training von Systemen mit Künstlicher Intelligenz (KI) zu nutzen. Nach Angaben des Verbands Deutscher Sprecher:innen (VDS) lehnen viele Künstler diese Regelungen ab und verweigern ihre Unterschrift – mit der Folge, dass erste Synchronproduktionen ins Stocken geraten.

Im Zentrum der Kritik steht die Verknüpfung von Engagement und Zustimmung zur KI-Nutzung. „Ich bin nicht bereit, das Training einer Künstlichen Intelligenz zu unterstützen“, sagte Natascha Geisler, deutsche Stimme von Jennifer Lopez, der Deutschen Presse-Agentur. Sie habe eine aktuelle Synchronarbeit für Lopez wegen der Netflix-Vertragsbedingungen abgesagt. Bei den neuen Verträgen gebe es nach ihrer Darstellung keine Möglichkeit, der Nutzung der eigenen Stimme für KI-Training zu widersprechen; die Zustimmung sei Voraussetzung für einen Auftrag.

Zusätzlichen Zündstoff liefert die Frage der Vergütung. Geisler moniert, in den Netflix-Verträgen sei „an keiner Stelle schriftlich festgehalten, dass für das KI-Training eine gesonderte Vergütung vorgesehen ist“. Beim Training würden sämtliche Facetten von Schauspiel und Intonation erfasst, damit KI-Systeme lernen können, unterschiedliche Emotionen zu imitieren. Sie wolle weder „Datenfutter“ sein noch dazu beitragen, dass ihr Berufsstand perspektivisch ersetzt werden könne, sagte die Sprecherin.

Der VDS, der ein Treffen in München mit prominenten deutschen Stimmen unter anderem von Tom Cruise, Renée Zellweger, Cameron Diaz und SpongeBob mitorganisiert hat, drängt auf klare gesetzliche Regeln für den Einsatz von KI in der Branche. Nur eine Regulierung könne aus Sicht des Verbands eine unkontrollierte und illegale Nutzung von Stimmen verhindern und die Qualität menschengemachter Kunstwerke sichern. Netflix verweist unterdessen laut einer Unternehmenssprecherin darauf, dass der Einsatz von KI im Einklang mit geltendem Recht erfolge und beruft sich auf Vereinbarungen, die der Konzern im vergangenen Sommer gemeinsam mit dem Bundesverband Schauspiel getroffen habe.

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Bernstein kippt auf „Outperform“: Zalando nähert sich langfristiger Trendmarke

16.03.2026


Zalando erlebt an der Börse eine markante Kurserholung, die von einer Welle positiver Analystenkommentare gestützt wird. Nachdem der Online-Modehändler seine Umsätze im Jahr 2025 gesteigert und das operative Ergebnis verbessert hat, legte die Aktie bereits am Donnerstag um 9,5 Prozent zu. Im Freitagshandel setzte sich die Rallye fort: Auf Xetra stiegen die Papiere zeitweise um bis zu 8,81 Prozent auf 23,96 Euro, zeitweise sogar auf 24,20 Euro. Damit rückt die 200-Tage-Linie als wichtiger Indikator für den langfristigen Trend bis auf gut 50 Cent heran.

Treiber der verbesserten Geschäftsentwicklung sind nach Unternehmensangaben insbesondere die Übernahme des Wettbewerbers About You sowie der verstärkte Einsatz Künstlicher Intelligenz. Zudem hat das Management ein Aktienrückkaufprogramm aufgelegt und den Start von Ausschüttungen an die Anteilseigner angekündigt. Bernstein-Analyst William Woods hob in einer aktuellen Studie den verbesserten Barmittelzufluss hervor und charakterisierte Zalando als „Kaufhaus, das Geld verdient“. Die Investmentbank erhöhte ihr Kursziel auf 25 Euro und strich zugleich die bisherige Einstufung „Underperform“.

Auch andere Häuser sehen die Aktie konstruktiv. Die Privatbank Berenberg bleibt bei ihrer Kaufempfehlung und bestätigt ein Kursziel von 53 Euro. Analystin Anne Critchlow verweist auf beruhigende Jahreszahlen und ein überraschend starkes bereinigtes EBIT im Schlussquartal. Besonders positiv wertet sie die angehobene Prognose für das bereinigte operative Ergebnis im laufenden Jahr 2026. Das Analysehaus Jefferies wiederum belässt Zalando ebenfalls auf „Buy“ mit einem Ziel von 31 Euro. Analyst Frederick Wild stuft die Papiere als eine der attraktivsten Wetten auf Ergebnisdynamik im europäischen Einzelhandel ein, getragen von Marktanteilsgewinnen sowie Kosten- und Synergieeffekten.

Die Neubewertung erfolgt nach einer ausgeprägten Schwächephase: Zwischen Ende Februar 2025 und Anfang März hatten sich Zalando-Aktien in rund einem Jahr mehr als halbiert und ein Tief bei 18,79 Euro markiert. Zuletzt setzte jedoch eine deutliche Gegenbewegung ein, die nun durch die freundlichere Analystenstimmung zusätzlichen Schub erhält. Während Zalando selbst den Einsatz von KI als Wachstums- und Effizienztreiber hervorhebt, betrachtet Bernstein möglichen Wettbewerbsdruck durch KI-Anwendungen in der Branche derzeit nicht als existenzbedrohend. Anleger setzen damit zunehmend auf ein nachhaltiges Comeback des Berliner Onlinehändlers – getragen von besserer Profitabilität, solidem Cashflow und einer klareren Ausschüttungspolitik.